Verleihung des Schaeff-Scheefen-Literaturpreises im Wasserschloss Mitwitz

Im Wasserschloss Mitwitz waren am 8. Oktober die Meister des geschriebenen Wortes zu Gast: Der Autorenverband Franken e.V. (AVF) verlieh im Rahmen seiner Jahrestagung den Schaeff-Scheefen-Preis. Dies ist ein Literaturpreis, der im zweijährigen Turnus an Autorinnen und Autoren fränkischer Herkunft oder zumindest fränkischer Prägung vergeben wird. Das Motto dieses Mal lautete: „Woher der Wind weht!“

Die beste Nase für frischen Wind hatte heuer der Autor David Jacobs, denn er traf mit seiner Kurzgeschichte „Kornweihe“ den Nerv der Zeit. Schlitzohrig und pointiert nahm er den Hype um die im geplanten Windparkgelände gesichtete Kornweihe buchstäblich aufs Korn und bot als anerkannter Ornithologe großzügig gutachterliche Dienste an. Wenn der Preis stimmt, ist auch egal, dass die ihm vorgelegten Federn der Kornweihe mindestens 30 Jahre alt sind und vorher an einem Hutband befestigt waren. Nur dumm, wenn zu viele Sichtungen des gefährdeten Vogels am Ende dazu führen würden, dass er von der Liste der bedrohten Tierarten genommen wird ... Das Publikum, das per Abstimmung die Sieger kürte, dankte Jacobs die gute Unterhaltung mit dem 1. Preis. David Jacobs hat lange Jahre im fränkischen Marloffstein als Heimleiter gearbeitet und ist heute freiberuflich als Coach im Raum Bonn tätig. Zum Schreiben kam er erst vor vier Jahren, und auf seinen ersten, noch in Arbeit befindlichen Roman darf man schon gespannt sein.

Auch Margit Heumann, zweitplatzierte und vielseitig tätige Autorin aus Nürnberg, ließ mit ihrem Text „Urgewalten“ den Zuhörern kräftig den Wind um die Nase wehen und mit dem von den Naturgewalten geplagten Bauern Ulrich mitleiden. Der Drittplatzierte, Richard Fliegenbauer, servierte mit „Drei Kilowatt“ eine eindringliche Geschichte, die im Würzburg der Nazizeit spielt. Hörenswert waren auch Siegfried Straßner und Maja Christ mit ihren Texten – am Ende entschieden aber wohl die Art des Vortrags und die Besonderheit der Geschichte über die Preiswürdigkeit.

Benannt ist der verliehene Preis nach Georg Harro Schaeff-Scheefen, dem Schriftsteller, Heimatdichter, Publizisten und Gründungsvorsitzenden des Autorenverbandes Franken. Coronabedingt konnte die Lesung diesen Sommer nicht in Schaeff-Scheefens letztem Heimatort Kirchberg an der Jagst vergeben werden, so dass die Soirée nun im Rahmen der Verbandstagung und im nicht minder würdigen Wasserschloss Mitwitz stattfand. Hilde und Falk Osberger als Nachkommen Schaeff-Scheefens unterstützten die Preisverleihung wie jedes Mal mit einer Geldspende.

Für festliche Stimmung am Abend sorgten der märchenhafte Anblick des im spiegelglatten Wasser thronenden Schlosses und das festliche Ambiente des „weißen Saales“. Der 1. Vorsitzende des AVF, Gerhard Goldmann, konnte zur Veranstaltung auch Kreisrätin Edith Memmel, Stadträtin und stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Kronach, Sabine Gross, den 2. Mitwitzer Bürgermeister Jürgen Kern sowie als Ehrengast Landrat a.D. Dr. Heinz Köhler begrüßen.

Besondere Highlights des Abends waren mit Sicherheit auch die Poetry-Slam-Texte der jungen Künstlerin Mara Diaczysczyn und die musikalische Umrahmung durch launigen Jazz (Klavier, Saxophon und Gitarre) des Duos Viktor Neuwert und Thomas Marek (in Vertretung für Helena Neuwert). Selbstverständlich hatten alle Teilnehmer der Veranstaltung nur nach der 3G-Regel Zutritt.

Weitere Programmpunkte der Tagung fanden in Kronach statt, die Tagung war perfekt von den AVF-Mitgliedern Krystyna Hurec-Diaczyszyn und Karl-Heinrich Heppt organisiert worden. Außer den beiden Kronachern sind im AVF auch die Coburger Autorinnen Heidi Fischer („Weißer Tod im Paradies“) und Nicole Eick („Wort verjährt nicht“) sowie Werner Karl („Black Ice“) aus Herreth und Daniela Geßlein („Projekt Keltentor“) aus Lichtenfels vertreten.

Sogar die Anthologie zum Schaeff-Scheefen-Preis 2021 („Woher der Wind weht“) wurde in der Region verlegt, nämlich im Iatros-Verlag Gestungshausen, und ist für 14 Euro im Buchhandel bestellbar.

Die Preisträger (von rechts nach links): Margit Heumann (2. Platz), David Jacobs, (1. Platz), Richard Fliegerbauer 3. Platz


Schaeff-Scheefen-Preis 2021 mit reicher Ernte!

Foto: Immanuel Giel

Am 2. Juli um 0:00 Uhr war es soweit: Zapfenstreich für die neueste Runde unseres legendären Kurzgeschichten-Wettbewerbs um den Schaeff-Scheefen-Preis.

„Woher der Wind weht …“ lautete das vorgegebene Thema und dementsprechend wurde mancher literarische Leckerbissen in den virtuellen Briefkasten unseres Verbandes gepustet. Wie schon bei der letzten Runde erreichten uns auch diesmal wieder knapp einhundert Bewerbungen aus allen vier Windrichtungen. Mit siebenundneunzig gegenüber vierundachtzig Einsendungen konnten wir gegenüber dem letzten Ausschreibungszyklus sogar eine Zuwachsrate verzeichnen, von der Ökonomen in der Corona-Krise nicht einmal zu träumen wagen. Aus ganz Franken, aus ganz Deutschland – und noch darüber hinaus. Allein aus Wien, der wunderbaren Geburtsstadt von Georg Kreisler, Ernst Jandl und Johann Nepomuk Nestroy, kamen vier von ihnen.

In den Geschichten wetteifern sanfte Lüftchen mit tosenden Orkanen, vermischt sich Komisches mit Ernstem und Meteorologisches mit gesellschaftlichen Stürmen. Genau wie der Inhalt variiert auch der Umfang der eingereichten Werke ganz erheblich: Das kürzeste begnügt sich mit achtundfünfzig präzise formulierten Worten, wohingegen das längste von seinem Verfasser auf sage und schreibe 37078 Zeichen breitgewalzt wurde. Damit überschritt es die vorgegebene Länge allerdings so erheblich, dass wir es leider disqualifizieren mussten.

Bemerkenswert ist weiterhin, dass unter den Teilnehmern die Frauen mit einem Anteil von 54 % wieder deutlich stärker vertreten waren. Die Altersverteilung zeigte sich dagegen bunt gemischt und umfasste mit sechzehn bis achtzig Jahren die unglaubliche Spanne von sieben Dezennien.

Jetzt ist unsere Jury an der Reihe. Sie muss die besten Texte für die geplante Anthologie auswählen und die drei Finalisten bestimmen. (Möglicherweise entsprechend des oben geschilderten Geschlechterverhältnisses auch nur Finalistinnen) Angesichts der Fülle qualitativ hochwertiger Texte jedenfalls keine leichte Aufgabe für die drei Damen und vier Herren. Wir anderen warten derweil äußerst gespannt auf Ihr Urteil und freuen uns auf die feierliche Preisverleihung im Juni nächsten Jahres in Kirchberg an der Jagst.

Schaeff-Scheefen-Kurzgeschichten-Preis 2021:

„Woher der Wind weht …“

Unsere Jury hat die Bewertung der eingesandten Beiträge nunmehr abgeschlossen und die fünf besten Beiträge für das Finale ausgewählt. Deren Autoren wurden bereits benachrichtigt und werden Ihre Texte am 8. Oktober 2021 in einer öffentlichen Lesung im Weißen Saal des Wasserschlosses Mitwitz vortragen.

Das dortige Publikum entscheidet dann über die Reihenfolge der Plätze und damit über den Gewinner oder die Gewinnerin des Schaeff-Scheefen-Preises 2021.

Bei der Preisverleihung wird auch die Anthologie zum Wettbewerb vorgestellt, in der neben den fünf Finalisten noch sechsundzwanzig weitere Geschichten zu finden sein werden.

Allen, die zu diesem erfreulichen Ergebnis beigetragen haben, gilt unserer herzlicher Dank! 

Schaeff-Scheefen-Preis 2019: Jagdfieber in Franken!

Blauer Himmelsbogen, weiße Wolkentupfen und eine goldene Sonne, das war der 25. Juni 2019, der Tag des Büchermarktes in Kirchberg an der Jagst. Der AutorenVerband Franken nahm auch diesmal wieder diesen Tag als gutes Datum für die Verleihung des Schaeff-Scheefen-Literaturpreises.

1963 wurde der AutorenVerband Franken von Harro Schaeff-Scheefen in Würzburg gegründet. Der Verband besteht also seit 56 Jahren und zählt ungefähr 100 Mitglieder. Viele Jahre seines Lebens hat der Verbandsgründer in Kirchberg verbracht. Deshalb ist diese Preisverleihung, es ist mittlerweile die vierte, im Kirchberger Schloss auch eine Reminiszenz an Harro Schaeff-Scheefen.

Im Rittersaal des Schlosses hatten sich über 60 Literatur-Interessierte eingefunden. Dr. Norbert Autenrieth, der 2. Vorsitzende des AVF und Margit Begiebing, die Pressesprecherin, führten durch die Veranstaltung. „Hans Zitrone“, eine Band aus Zirndorf, war mit selbstgeschriebenen, teilweise in Mundart gesungenen Stücken für die musikalische Seite zuständig.

Viele Ehrengäste konnten begrüßt werden. Auch diesmal war der Neffe Schaeff-Scheefens, Falk Osberger, zusammen mit seiner Frau Hilde aus Kiel zur Preisverleihung  angereist. Hilde Osberger ist außerdem Mitglied der Bewertungsjury und hat das Eingangsgedicht der Anthologie geschrieben.

Dann kam die mit Spannung erwartete Lesung.

Mehr als 80 Einsendungen hatte es zum Thema „Jagdfieber in Franken“ gegeben. Außer dem Thema war der Bezug zu Franken wichtig und dass die Geschichte noch unveröffentlicht war.

In der Anthologie „Jagdfieber in Franken“ (ISBN 978-3-86963-390-9), die im Iatros-Verlag Sonnefeld erschienen ist, sind die besten 35 eingesandten Kurzgeschichten und Erzählungen enthalten. Nach der offiziellen Vorstellung wurde die Anthologie natürlich auch verkauft.

Was muss man sich unter „Jagdfieber“ vorstellen? Die Geschichten zeigen, dass man nach allem möglichen jagen kann, nach Bäumen, nach Worten, dem Fußball hinterher, Mitmenschen werden bejagt und sogar einem Schäufele kann man nachjagen. Und warum? Aus Liebe, Neid, Missgunst, wegen des lieben Geldes usw. usw. Die Gründe sind so vielfältig wie die Fantasie der Autoren. Absolut lesenswert das Ganze!

Als die 5 besten Beiträge der Literaturpreis-Ausscheibung von den Verfassern den Anwesenden vorgestellt worden waren, wurden Zettel verteilt. Das Publikum stimmte über die Reihenfolge der Gewinner ab. Es waren ausnahmsweise nicht nur drei, sondern fünf Lesende, vier Damen und ein Herr, die sich dem Urteil des Publikums stellten, da es im Vorfeld bei der literarischen Bewertung durch die unabhängige 9-köpfige Jury zu einer Punktgleichheit gekommen war.

Nachdem die abgegebenen Stimmen ausgezählt worden waren stellte sich wiederum eine Punktgleichheit heraus. Aus diesem Grund ergaben sich zwei 1. Plätze und ein 3. Platz.

Den begehrten ersten Platz teilten sich Anja Mäderer mit ihrer Geschichte „Das Kreuz im Altmühltal und Johannes Jung mit „Schleichjäger“. Evelyn Meyer mit ihrer Geschichte „An Goudn“ errang den dritten Platz. Zusammen mit Glückwünschen konnten die ersten 3 Sieger ihr Preisgeld in Empfang nehmen. 

Blumen für alle fünf Lesenden und ein Sektempfang im wunderschönen Ambiente des Rittersaales rundete den Nachmittag der Preisverleihung ab. 

Norbert Autenrieth und die drei ersten Preisträger in Kirchberg (Foto: Margit Begiebing)