Startseite -- Schaeff-Scheefen-Preis
23 | 02 | 2012

Vorwort

"Hier bin ich sogar poetisch geworden", bekannte Karl Immermann seinerzeit im Frankenlande (speziell im Spessart) - wenn auch andererseits Wolfgang Buhl in einer seiner literaturgeschichtlichen Darstellungen bemerkte: "Franken ist kein musisches Land. Ist es auch nicht poetisch? Mangelt ihm, bei allen Vorzügen seiner Mittellage, die Mitteilsamkeit, die Gabe der Anregung?" Einer der keinerlei Zweifel an der "schöpferischen Berufung" seiner fränkischen Landsleute zuließ, war G. Harro Schaeff-Scheefen, der in den 1930er Jahren zwei Anthologien mit dem Titel 'Die Unbekannten' herausgab, wodurch manch einer der darin enthaltenen Autoren durchaus auch bekannter wurde.

Wenn Schaeff-Scheefen damals formulierte: "Auf der Verschiedenartigkeit der Dichter und auf der Vielfaltigkeit der Form beruht die Buntheit des Buches" - so mag dies auch für die hier vorliegende in seinem Andenken initiierte Anthologie gelten.

Der Autorenverband Franken startete im Jahre 2009 mit seiner Ausschreibung zum 'Schaeff-Scheefen-Literaturpreis' einen Wettbewerb, der sich an alle Schreibenden in deutscher Sprache richtete. Erwartet wurden geschlossene literarische Erzählungen, also keine Berichte, Reportagen oder Essays. Ein Genre wurde nicht festgelegt, von der Liebesgeschichte über phantastische oder satirische Texte bis zum Kurzkrimi war alles denkbar. Die Texte sollten einen deutlich erkennbaren inhaltlichen Bezug zu Franken haben. Das Thema 'Höhenflüge und Abgründe' sollte eine zentrale Rolle spielen, wobei man sich mit einer der Komponenten oder mit beiden befassen konnte, konkrete und abstrakte Auffassung des Themas waren möglich. Die Wettbewerbsbeiträge wurden anonym bewertet, eine Jury ermittelte die Preisträger und diejenigen Autorinnen und Autoren, deren Beiträge in diese Anthologie Eingang finden konnten.

Mit diesem Literaturpreis möchte der Autorenverband Franken an seinen Gründer erinnern. Der fränkische Geschichtsforscher, Kunsthistoriker und Schriftsteller Georg Harro Schaeff-Scheefen wurde am 12. Februar 1903 in Ansbach geboren und verstarbam 20. Mai 1984 in Kirchberg an der Jagst.  Er war 1934 Mitbegründer der 'Max-Dauthendey-Gesellschaft' in Würzburg, die nach 1945 neu belebt wurde. In den Jahren 1934 und 1937 brachte er die beiden oben erwähnten Anthologie-Bände heraus und erhielt 1962 in Ansbach die Silbermedaille der Dauthendey-Gesellschaft "für Verdienste um die fränkische Dichtung". Als Generalsekretär des 'Fränkischen Autoren-Kreises' in der Max-Dauthendey-Gesellschaft verfasste er eine Denkschrift über die Gründung eines Instituts für fränkische Literatur. Es sollte der Stadtbibliothek Nürnberg angegliedert werden.

Im Frühjahr 1964 regte er bei einer Tagung fränkischer Schriftsteller in Würzburg an, Autoren in und aus Franken im 'Fränkischen Autorenkreis' zusammenzufassen. Dieser Autorenkreis wurde zum 'Verband fränkischer Schriftsteller' mit Sitz in Würzburg erweitert. Schaeff-Scheefen wurde der erste Vorsitzende, trat aber im Oktober 1964 zurück - er wollte keine verbindliche Funktion - und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. In Kirchberg/Jagst  blieb er Vorstand eines Fränkischen Autorenkreises (der Hohenloher Franken) als reiner Freundes- und Auslesekreis der fränkischen Schriftsteller und Dichter. Er bereiste als Dozent der Volkshochschule und Volksbildungswerke ganz Deutschland.

Und so kann sich unsere im Jahre 2001 vom 'Autorenverband Fränkischer Schriftsteller' in den 'Autorenverband Franken' umbenannte kulturelle Arbeitsgemeinschaft in mehrfacher Hinsicht in der Verpflichtung und Nachfolge seines Gründers sehen. Einerseits die Konzentration auf die fränkische Literaturlandschaft, andererseits die Vernetzung mit dem literarischen Leben in ganz Deutschland bzw. mit allen Schreibenden, die auf irgendeine Art eine Affinität zu Franken aufzuweisen haben.

Der Vorstand

 

 

 
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