Aus fränkischer Feder

Hier werden Ihnen in loser Folge literarische Kostproben unserer Mitglieder vorgestellt. Diesmal aus dem oberfränkischen Stockheim gereimter und gemalter Schweinkram von unserer Kollegin Krystina Hurec-Diaczyszyn:


Schwein und Eichhörnchen

Im kühlen Schatten eines Baumes,
versunken in den Fängen eines süßen Traumes,
ruht Ruth.
Der Schlaf tut dem ermatteten Schweine erquicklich gut.
Die Nahrungssuche heute war anstrengend,
brannte doch die Sonne heiß und sengend
nieder
 auf der Schweinedame alte Glieder.
Auch auf ihr inzwischen kahles Haupt.
Und überhaupt -
schon in die Jahre gekommen,
ist, genau genommen,
mal ganz ehrlich,
rüsselndes Wühlen für sie schon recht beschwerlich.

Im Traum sitzt sie auf einem Floß.
Auf ihrem Schoß 
balanciert ein mächtiger Teller mit Kloß und Soß.
Gar köstlich diese üppige Speise ihr mundet,
was ein zufriedenes Grunzen laut bekundet.
Plötzlich fällt auf des Schweines Schädel eine Nuss.
Hellwach und voller Verdruss
blickt es hinauf zu des Baumes Wipfel.
„Das ist ja wohl der Unverschämtheit höchster Gipfel!“,
schimpft außer sich die Schweinedame.

In den Zweigen knackt ein Eichhörnchen Nüsse.
Respektlos wirft sie diese dem Schwein vor die Füße.
Das Schwein, seiner Ruhe nun gänzlichst beraubt,
mit geblähten Backen zornig schnaubt:
„Gleich wirst du schändliches Tier erleben,
wie der Erde Boden wird beben,
wenn ich dich miesen Frechdachs fasse
und eine saftige Klatsche dir auf deine Pinselohren verpasse!“

„Bin kein Dachs!“, spottet es von oben her.
Die alte Sau kriegt sich vor lauter Ärger gar nicht mehr.
Inzwischen puterrot im Gesicht,
will sie strafen den respektlosen Wicht.

„Gestatten Sie! Kann ich helfen?
Meine Vorfahren stammen aus dem Land der Welfen.
Mein Cousin Jean-Claude aus Kehl am Rhein
ist sogar ein promoviertes Trüffelschwein!“
Ein schneidiger Keiler tritt aus der Bäume Schatten ins Licht.
„Wow! Der Kerl ist ein  Gedicht!“,
denkt Ruth, „ruhig Blut,
feine Dame markieren täte jetzt ganz gut.“
„Ich befinde mich hier in argen Nöten“,
fängt sie mit zarter Stimme an zu flöten.
„Das schreckliche Tier dort oben,
 in seinem Kobel
verhält sich leider gar nicht nobel.
Ohn Unterlass schmeißt es harte Nüsse
mir auf den Kopf und auf die Füße.“

Der Keiler, von dieser Not zutiefst gerührt,
sodann den Kavalier in sich verspürt.
„Horniges Eich, du schreckliches Tier,
verschwinde sofort und gleich von hier!
Ansonsten werde kurzen Prozess ich dir machen!“
Aus den Zweigen ertönt laut hämisches Lachen.
Das lästige Tier lässt sodann die nächste Nuss,
voller Wucht und mit höchstem Hochgenuss, 
auf des Keilers feisten Rüssel krachen.
Höhnisch lachend, ohne große Hast,
springt es sodann leichten Fußes von Ast zu Ast.
Dies Gebaren am Boden jedoch ward ignoriert,
da es den Keiler doch arg geniert.
Der Schweinedame reicht er nun galant die Klauen:
„Gnädigste, hätten Sie Lust zu wandeln in den Auen?“
Hocherfreut willigt diese ein - ohne zu zaudern.
Wie alte Freunde spazieren sie von dannen und plaudern.
Angekommen in den grünen Auen,
hungrig sie sich nach einem passenden Gasthaus umschauen.

„Verehrtester!
Ich lade Sie ein zu einem Menu à la carte.
Erlesene Speisen sollen uns mehren die Schwarte“,
spricht mit lockender Stimme erwartungsvoll das Schwein 
und geleitet den Mann ihres Herzens ins Lokal  hinein.